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Ab wann besteht eine Alkoholabhängigkeit?

Es gibt keine deutliche Grenze zwischen abhängig sein und nicht abhängig sein. Es lassen sich aber vier verschiedene Phasen unterscheiden:

  • Unabhängig vom Alkohol zu sein, das ist der angeborene, nüchterne Zustand jedes Menschen.
  • Gefährdet sind alle, für die Alkohol selbstverständlich geworden ist.
  • Alkoholmissbrauch ist jeder Alkoholkonsum, der zu körperlichen, seelischen und/oder sozialen Schäden führt.
  • Alkoholabhängig ist jemand, der Alkohol braucht, um sich wohl, bzw. „normal“ zu fühlen. Er trinkt nicht aus Genuss oder Geselligkeit, sondern um zu „funktionieren“.

Abhängigkeit entsteht langsam. Besonders am Anfang streiten Betroffene ein Alkoholproblem gerne ab. Sie sehen in sich nicht den „typischen Abhängigen“ und glauben, ihre Lage wieder in den Griff zu bekommen. Im nächsten Schritt wird das Problem aus Scham oder Angst oft komplett verdrängt, obwohl es sich gesundheitlich und im sozialen Verhalten längst bemerkbar macht.

Welche Ursachen führen in die Abhängigkeit?

Für eine Alkoholabhängigkeit gibt es so viele verschiedene Ursachen wie für jedes Suchtproblem. Oft wirken mehrere Ursachen zusammen:

  • Erblichkeit: Wenn der Vater oder die Mutter bereits alkoholabhängig ist, kann sich das Risiko einer Abhängigkeit erhöhen, besonders für Söhne von alkoholabhängigen Männern.
  • Seelische Probleme in Kindheit und Jugend: Jugendliche und Erwachsene, die traumatische Erfahrungen (sexueller Missbrauch, Unfall, Verlust, Krieg) gemacht haben sind besonders gefährdet.
  • Eine angeborene oder erlernte Empfindlichkeit im Umgang mit Stress, Unruhe und Anspannung kann zu vermehrtem Alkoholkonsum und damit zur Abhängigkeit führen.
  • Das Umfeld: Eine Umgebung, in der oft, viel und schnell Alkohol getrunken wird, erhöht das Risiko, abhängig zu werden. Das kann die Familie sein oder auch die Clique, die keine Party ohne Alkohol feiern kann.
  • Alltagsprobleme: Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten in Schule, Ausbildung, am Arbeitsplatz oder z.B. Einsamkeit Die Flucht in den Rausch kann in die Abhängigkeit führen, ohne dass die Probleme  oder Schwierigkeiten dadurch gelöst werden
Was tun, wenn jemand zuviel trinkt?

Alkoholkranke davon zu überzeugen, weniger zu trinken, ist keine leichte Aufgabe. Da braucht man schon viel Fingerspitzengefühl, einen langen Atem und den Mut, sich notfalls Unterstützung zu holen. Aber gerade gute Freunde sollten das Problem offen ansprechen. Denn das kann bei Betroffenen einen wichtigen Aha-Effekt auslösen. Dabei kann man auch eigene Ängste und Sorgen thematisieren – nie aber sollten dem Anderen Vorwürfe gemacht werden, denn dann blockt dieser meist ab.

Wenn jemand verspricht, das Trinkverhalten zu ändern, sollten auch gleich erste Schritte in die richtige Richtung folgen. Bei aller guten Hilfe ist wichtig zu wissen: Abhängige können nur sich selbst von Alkohol befreien – sie müssen es selbst wollen. Aber man kann sie begleiten, Aufmerksamkeit schenken, zuhören und klarmachen, dass Veränderungen möglich und notwendig sind.

Bei Gefahr einer Alkoholabhängigkeit helfen auch professionelle Beratungsstellen. Die Adressen gibt es auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme/.
In Beratungsstellen informieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Thema Alkohol und Sucht sowie über konkrete Unterstützungsangebote.

Telefonische Beratung bietet das BZgA-Infotelefon montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr unter: 0221-89 20 31 (es fallen die üblichen Telefongebühren für ein Gespräch in das Kölner Ortsnetz an).
Diese Beratung kann anonym genutzt werden. Auf der Internetseite www.drugcom.de gibt es außerdem mit „check your drinking“ einen Selbsttest, der hilft, den eigenen Konsum zu überprüfen und einzuschätzen.